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Burnout und das Gehirn: Ein tiefer Einblick

Das Phänomen Burnout

Viele konnten es kaum glauben, als Jürgen Klopp, der bekannte und erfolgreiche Fußballtrainer, Anfang 2024 öffentlich erklärte, dass er seinen Job beim FC Liverpool aufgibt. Seine Begründung lautete: „Mir geht die Kraft aus.“

Trotz vieler Erfolge, die er mit dem Verein erreicht hatte, fühlte er sich so erschöpft, dass er nicht mehr glaubte, die Erwartungen seiner Fans erfüllen zu können. 

Seine Erklärung war einfach: So wie ein Auto irgendwann keinen Sprit mehr hat, war für ihn der richtige Moment gekommen, eine Pause einzulegen, bevor sein eigener Tank leer ist. Also zog er die Reißleine.

Das kam für viele überraschend, wurde aber auch als bewundernswert angesehen, weil er seinen Gemütszustand offen mit der Öffentlichkeit teilte.

Er ist nicht der Einzige

Viele bekannte Persönlichkeiten – darunter Sportlerinnen wie die Olympiasiegerin Simone Biles, Tennisstar Naomi Osaka und der ehemalige Radprofi Jan Ullrich, Schauspielerinnen wie Sandra Bullock und Emma Watson, weltberühmte MusikerInnen wie Rihanna, Lady Gaga, Beyoncé und Kanye West sowie PolitikerInnen wie Neuseelands ehemalige Premierministerin Jacinda Ardern – haben aus genau demselben Grund ihren Rücktritt erklärt oder eine Auszeit genommen.

Sie gingen offen mit ihren Erfahrungen von Erschöpfung und Energielosigkeit um, die es ihnen schwer machten, den eigenen Ansprüchen und denen der Öffentlichkeit gerecht zu werden.

Es kann noch schlimmer kommen

Während Klopp rechtzeitig einen Schritt zurück machte, ignorierten andere ihre zunehmende Erschöpfung oder konnten sich nicht dazu durchringen, kürzer zu treten. Sie machten weiter bis ihre Energie vollständig aufgebraucht war und der Körper sie schließlich zum Aufhören zwang. 

In diesem Zustand völliger Erschöpfung fehlt den Betroffenen jede Kraft und Motivation, ihre Situation zu verändern.

So erging es kürzlich auch dem ehemaligen deutschen Bundeskanzler Schröder, der wegen starker Erschöpfung ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Er zeigte außerdem weitere Symptome wie Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme sowie Schlafstörungen.

Was ist Burnout?

Ärzte bezeichnen diesen Zustand als „Burnout“, ein Syndrom, das von der Weltgesundheitsorganisation als Zustand von Energieverlust oder Erschöpfung definiert wird [1]. In Schweden verwenden Ärzte einen eigenen, treffenden Begriff: „Erschöpfungssyndrom“ [2].

Dieser Energiemangel kann jeden treffen und macht es deutlich schwerer, im Beruf oder zu Hause zurechtzukommen. Das kann sowohl für Arbeitgeber als auch für Angehörige belastend sein.

Burnout kann auch zu einer zynischen Haltung gegenüber der Arbeit und anderen Menschen führen, wodurch Betroffene unzufrieden und pessimistisch wirken.

Tausende von Jahren Geschichte

Der Begriff „Burnout“ wird seit den 1970er-Jahren verwendet, als der Psychologe Herbert Freudenberger beobachtete, dass Freiwillige, die sich in New York um Menschen mit Drogenabhängigkeit kümmerten, emotional erschöpft, unmotiviert und distanziert von ihren Patienten waren. Sie wurden zunehmend gleichgültig und zynisch [3].

Freudenbergers Definition von Burnout spiegelte die damalige Situation wider: Ärzte, Pflegekräfte und andere Beschäftigte im Gesundheitswesen waren zunehmend frustriert, weil sie Menschen helfen wollten, das Gesundheitssystem aber zunehmend wie ein Unternehmen geführt wurde. Sie standen unter Druck, weniger Zeit mit einzelnen Patientinnen zu verbringen und möglichst viele zu behandeln. Gleichzeitig wurden Patientinnen anspruchsvoller, während Respekt und Dankbarkeit abnahmen.

Obwohl Burnout zunächst bei Gesundheitsberufen beschrieben wurde, erkannte man das Phänomen bald auch in vielen anderen Bereichen.

Doch bereits 100 Jahre vor Freudenberger führten die damaligen Lebensumstände zu ähnlichen Symptomen wie dem, was wir heute Burnout nennen. Während der Industriellen Revolution änderte sich das Leben rasant und viele Menschen fühlten sich stark unter Druck sich anzupassen. 

Der amerikanische Arzt George Miller Beard stellte fest, dass immer mehr Menschen geistig und körperlich erschöpft waren. Er ging davon aus, dass ihr Gehirn mit dem beschleunigten Lebenstempo überfordert war, besonders in Berufen, die viel geistige Arbeit verlangten. 

Er nannte diesen Zustand „Neurasthenie“, was „Nervenschwäche“ bedeutet [3]. Zu den Symptomen gehörten Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Schlafprobleme, Angstzustände und körperliche Beschwerden wie Magenprobleme oder Herzrasen.

Bereits über 1000 Jahre vor Beard machten christliche Mönche ähnliche Erfahrungen. Sie lebten isoliert und folgten einem eintönigen Tagesablauf, bis sie einen Zustand erreichten, in dem sie ihre Arbeit nicht mehr verrichten oder beten konnten. Für diesen Zustand verwendete man im Mittelalter den Begriff Acedia, ein Zustand der Gleichgültigkeit und inneren Leere, in dem jeglicher Wille und jede Motivation fehlte. 

Da sich die Theologen um die Arbeitsfähigkeit und das Gebetsleben der Mönche sorgten, erklärten sie Acedia zu einer der sieben Todsünden, in der Hoffnung, so zu einer moralischen Umkehr und Besserung der Symptome beizutragen [4].

Fast 1500 Jahre vor der Beschreibung von Acedia erlebte der biblische Prophet Elija etwas sehr Ähnliches wie Burnout. Nach vielen Erfolgen fühlte er sich geistig und körperlich erschöpft. Als ihm seine Feinde drohten, reagierte er mit Angst und Verzweiflung. Er zog sich zurück und isolierte sich in der Wüste. 

Seine Geschichte zeigt zwei typische Merkmale von Burnout: den Kontrollverlust über die eigenen Gefühle und das Bedürfnis, sich von anderen Menschen abzukapseln [3].

Die „Große Erschöpfung“

Heutzutage nimmt Burnout aufgrund ständig wechselnder Lebensumstände wieder deutlich zu. Mehr denn je wollen Menschen erfolgreich sein, etwas leisten und in ihrer Arbeit Sinn finden. 

Doch harte Arbeit garantiert heute längst keine finanzielle Sicherheit mehr. Ständige Geldsorgen kommen hinzu und verstärken den Druck zusätzlich.

Der Druck endet nicht im Job. Probleme zu Hause tragen zur Erschöpfung bei. Die Erwartung, ein perfekter Partner oder idealer Elternteil zu sein, wird sowohl von der Gesellschaft als auch von einem selbst hoch angesetzt. 

Dieses Ideal bricht oft zusammen, wenn beispielsweise eine Trennung bevorsteht oder ein Kind ernsthaft erkrankt. Ein solches Ereignis zwingt Eltern oft ihr Leben neu zu überdenken. Manche erleben einen Zustand ständiger Erschöpfung, der auch als Eltern-Burnout bekannt ist [5].

Das Leben fühlt sich an wie ein endloses Rennen in einer Kultur des „Ich habe keine Zeit“. Terminkalender sind voll, alles muss durchgeplant sein, um möglichst viel zu schaffen. Zeit für Erholung bleibt kaum.

Zu dieser Dauerbelastung kommt noch der rasante technologische Fortschritt hinzu. Internet, Digitalisierung und soziale Medien erzeugen neue Anforderungen. Es entsteht der Druck, ständig online präsent zu sein. 

Ähnlich wie in der Industriellen Revolution stehen Menschen heute unter enormem Anpassungsdruck, weil sich das Lebenstempo immer weiter beschleunigt.

Zur Zeit schreitet auch die künstliche Intelligenz (KI) rasant voran und könnte das Leben grundlegend verändern. Der Druck, mitzuhalten, wächst. Entweder man lernt KI zu nutzen, um beruflich am Ball zu bleiben, oder man läuft Gefahr durch jemanden ersetzt zu werden, der es kann. Die Angst, im Zuge der KI-Revolution abgehängt zu werden, nimmt zu.

Kein Wunder also, dass weltweit immer mehr Menschen über Burnout-Symptome berichten. Studien zeigen, dass oft über 50 % der Beschäftigten ein erhöhtes Burnout-Risiko haben. Manche sprechen bereits von einem neuen Zeitalter: der Großen Erschöpfung.

Wenn man die Kontrolle verliert

Immer mehr Menschen erleben heute Burnout durch ständigen und überwältigenden Druck, sei es im Beruf oder im Privatleben. 

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts nennen Wissenschaftler diesen Anpassungsdruck „Stress“, ein Begriff, der durch die Forschung von Hans Selye geprägt wurde und heute jeder kennt [6].

Aber Stress allein erklärt Burnout nicht vollständig. Er ist nur ein Teil der Erklärung. Denn Stress kann durchaus hilfreich sein: Er bereitet Körper und Geist darauf vor, Herausforderungen zu bewältigen. Er gibt uns Energie, Motivation und hilft uns, konzentriert auf ein Ziel hinzuarbeiten.

Was also macht Stress so gefährlich, dass er in Burnout münden kann?

Entscheidend ist, ob man sich in einer stressigen Situation noch unter Kontrolle fühlt. Dieses Gefühl von Kontrolle bestimmt, ob Stress uns stärkt oder, wenn wir die Kontrolle verlieren, uns erschöpft.

Stelle dir bei schwierigen Situationen folgende Fragen:

  • Habe ich das Gefühl, die Situation im Griff zu haben? Kann ich ungefähr abschätzen, was als Nächstes passiert?
  • Fällt es mir leicht zu planen oder Lösungen zu finden?
  • Gibt es jemanden, dem ich vertraue und der mir helfen kann, einen Ausweg zu finden?
  • Kann ich selbst entscheiden, wann ich eine Pause brauche und sie mir auch nehmen?

Wenn du diese Fragen mit „Ja“ beantworten kannst, bleibst du wahrscheinlich handlungsfähig und Stress kann dir sogar helfen.

Wenn du jedoch „Nein“ antwortest, fühlst du dich möglicherweise von deinen Aufgaben überfordert, ausgeliefert, machtlos und unsicher, was als Nächstes kommt. Vielleicht fehlt dir ein Plan oder eine Person, die dich unterstützt. In so einer Situation gerät Stress schnell außer Kontrolle und kann krank machen.

Stress, Stress, Stress

Das kann im Arbeitsalltag schnell passieren [7]. Du bekommst zum Beispiel eine Aufgabe, für die du nicht ausreichend geschult bist und es fällt dir schwer, einen Plan zu entwickeln, wie du sie erledigen sollst. 

Oder du wirst mit zu vielen Aufgaben gleichzeitig überhäuft und kannst nicht mehr überblicken, wie du sie rechtzeitig und mit hinreichender Qualität erledigen sollst. Oft führt das dazu, dass du Überstunden machst und kaum noch Zeit zur Erholung hast. 

Manchmal ist auch die Aufgabe selbst unklar, etwa weil deine Vorgesetzten verwirrt sind oder schlecht kommunizieren. Das macht es schwierig, eine Aufgabe sinnvoll zu erledigen.

Wenn eine Aufgabe Teamarbeit erfordert, aber kein echtes Teamgefühl besteht, die Kommunikation untereinander schlecht ist oder du dich nicht auf Kollegen verlassen kannst, entsteht zusätzlicher Stress.

Wenn dir eine Aufgabe persönlich nichts bedeutet, du sie nur für deinen Chef oder das Unternehmen machst, bist du vielleicht auf positives Feedback und Wertschätzung angewiesen, um dich anerkannt zu fühlen. Bleibt diese Anerkennung aus, kann das anstrengend sein und deine Energie und Motivation mindern.

Auch das Verhalten deiner Vorgesetzten spielt eine Rolle. Sind sie unfreundlich, ungerecht oder respektlos und du hast keine Möglichkeit, etwas daran zu ändern, nimmt der Stress zu.

Mitunter klaffen die Werte eines Unternehmens und deine persönlichen Werte weit auseinander. Ein Beispiel: Eine Ärztin, die Menschen helfen möchte, aber aufgrund der Vorgaben nur 5–10 Minuten pro Patient hat, weil das Management vorgibt, möglichst viele Patienten pro Tag sehen will, kann sehr belastet sein.

Neben diesen äußeren Stressfaktoren durch Führungskräfte oder Kollegen können auch eigene Ansprüche zur Belastung werden. 

Besonders Menschen mit hohem Engagement und Idealismus, wie viele im Gesundheitswesen, investieren sich emotional stark in ihre Arbeit, ihre Patienten oder Klienten. Sie setzen sich oft selbst unter Druck, machen lange Überstunden und nehmen Arbeit mit nach Hause. 

Die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben verschwimmen, vor allem, wenn man selbst eine leitende Funktion hat.

Überraschenderweise kann auch das Gegenteil zu Stress führen. Wenn der Job zu wenig fordert, Aufgaben langweilig sind, Verantwortung fehlt, nichts Neues dazugelernt wird und man keine Weiterentwicklungsmöglichkeiten sieht, dann entsteht das sogenannte Boreout [8].

Wie sich endloser Stress anfühlt

Wenn beruflicher Stress über längere Zeit anhält und auch das Privatleben kaum noch Entlastung bietet, fühlen sich selbst die widerstandsfähigsten Menschen irgendwann erschöpft und steuern auf eine Sackgasse zu. Diese Reise ist meist lang und endet oft in einem Burnout [9].

Am Anfang fällt es schwer, sich zu konzentrieren oder Dinge zu merken. Man weiß plötzlich nicht mehr, was man gerade noch tun wollte. Die eigene Produktivität sinkt spürbar. 

Man wird langsamer und hat Schwierigkeiten, den Tag zu planen. 

Früher einfache Aufgaben werden zu echten Herausforderungen und kreative Ideen bleiben aus. 

Eine ständige Müdigkeit stellt sich ein, der Kopf fühlt sich wie vernebelt an. Entscheidungen fallen schwer und überlässt sie manchmal lieber anderen.

Man beginnt, sich bei der Arbeit überfordert zu fühlen.

In dieser Phase suchen viele die Schuld bei sich selbst, anstatt die Ursachen des Stresses zu erkennen. Man denkt, man hätte einfach nicht hart genug gearbeitet. Um dieses nagende Gefühl der mangelnden Leistungsfähigkeit zu kompensieren, versucht man noch mehr zu leisten und verschärft dadurch die Situation weiter.

Ein erstes Warnzeichen ist, wenn man im Urlaub oder in der Freizeit nicht mehr abschalten kann. Statt Erholung fühlt man sich auch in der Freizeit angespannt, innerlich unruhig und gestresst [9].

Auf der emotionalen Achterbahnfahrt

Dann bemerken auch Familie und Freunde, dass etwas nicht stimmt. 

Selbst sonst ruhige Menschen werden plötzlich emotionaler und reagieren stärker oder übertrieben auf Kleinigkeiten [9]. Die innere Anspannung, die durch langanhaltenden Stress entsteht, zeigt sich in Reizbarkeit gegenüber anderen. Konflikte mit nahestehenden Personen oder Kollegen sind kaum noch zu vermeiden und erhöhen den Stress zusätzlich. 

Diese Konflikte verschärfen sich durch ein weiteres Symptom: den Verlust von Empathie. Man kann sich nicht mehr gut in andere hineinversetzen. Zwischenmenschliche Situationen werden so schwieriger zu bewältigen. 

Anhaltender Stress führt zu zunehmender Reizbarkeit und Schwierigkeiten bei der Emotionskontrolle, was schließlich die berufliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.

Angstgefühle und Sorgen um die Zukunft kommen hinzu. Diese Angst erschwert konzentriertes Arbeiten und belastet den sozialen Umgang weiter. 

Man beginnt, Menschen aus dem Weg zu gehen und will sich zurückzuziehen, am liebsten an einen fernen, abgeschiedenen Ort. Doch genau dieser Rückzug verschärft den Stress, da er den Kontakt zu Personen, die helfen könnten, verhindert.

Diese emotionale Distanz bringt auch berufliche Nachteile mit sich. Klienten oder Patienten spüren die fehlende Begeisterung, mangelnde Empathie und emotionale Abwesenheit. Das kann unprofessionell wirken und ernsthafte Folgen für die eigene berufliche Zukunft oder den Arbeitgeber haben.

Es kann sogar zu noch drastischeren emotionalen Veränderungen kommen [9]. Man wird misstrauisch oder fühlt sich verfolgt. Man verliert das Gefühl für sich selbst, fühlt sich fremd im eigenen Körper oder hat das Gefühl, sich selbst von außen zu beobachten. Dieses Phänomen nennt man Depersonalisation. Auch Derealisation kann auftreten. Dabei wirkt die Welt um einen herum plötzlich fremd oder unwirklich.

Dein Körper und dein Schlaf rebellieren

Mitten in diesem emotionalen Chaos, begleitet von abnehmender Konzentrations- und Denkfähigkeit, summieren sich die Auswirkungen von Stress auf deinen Körper. 

Symptome wie Herzklopfen, verspanntes Muskulatur, Verdauungsprobleme, Kopfschmerzen und häufige Infekte durch ein geschwächtes Immunsystem können auftreten. Dein Energieniveau sinkt und die Libido nimmt ab [9].

All das sind Warnsignale, doch vielleicht hast du dir angewöhnt, nicht auf dich selbst und deinen Körper zu hören. Infolgedessen erkennst du die Anzeichen nicht richtig, beschwerst dich nicht und suchst keine Unterstützung.

Ein zentrales Problem, das sich bei dauerhaftem Stress regelmäßig entwickelt, sind Schlafstörungen. Die Schlafqualität nimmt ab, du schläfst weniger und wachst in der Nacht häufig auf. Tagsüber fühlst du dich müde, und der Mangel an erholsamem Schlaf erschwert die Erholung von den Auswirkungen des Stresses auf Emotionen, Gedächtnis und Denkfähigkeit.

Die Lage spitzt sich zu

In diesem Stadium fühlst du dich vielleicht so ausgelaugt, dass selbst ein kleiner Kraftaufwand, wie das Beginnen einer neuen Aufgabe, dich schnell erschöpft. 

Du fängst an Aktivitäten zu vermeiden, die Energie erfordern, und funktionierst nur noch im Autopilot-Modus. Du erledigst nur mehr Aufgaben, die automatisch ablaufen und wenig Nachdenken verlangen. 

Du fühlst dich körperlich erschöpft und meidest Sport oder Freizeitaktivitäten, die zu viel Energie erfordern [9].

Wenn es schlimmer wird, greifst du möglicherweise zu Alkohol oder sogar Drogen [10]. Eine andere häufige Methode zur Entspannung ist übermäßiges Essen, oft ungesund und fettig, das kurzfristig ein Gefühl von Wohlbefinden erzeugt.

Feuer aus!

Chronischer Stress kann sich wie ein Teufelskreis anfühlen. Er beeinflusst deine Emotionen, Gedanken und Verhalten, und erzeugt dadurch noch mehr Stress und Probleme. Es ist also nicht verwunderlich, dass irgendwann alles zusammenbricht und du völlig kollabierst.

Manchmal reicht ein kleines belastendes Ereignis, wie eine Krankheit, aus, um in einen Zustand völliger Erschöpfung zu geraten. 

Du fühlst dich völlig ausgelaugt und gibst mit einem Gefühl tiefer Resignation auf. Selbst kleinste Anstrengungen wirken überwältigend, und du verlierst jede Motivation, irgendetwas zu tun [9].

Nichts scheint mehr von Bedeutung zu sein, und du ertappst dich bei dem Gedanken: „Es ist mir einfach egal“. Da du keine geistige Energie mehr hast, etwas Sinnvolles zu tun, fühlst du dich hilflos, als hättest du die Kontrolle über dein Leben völlig verloren. Vielleicht fragst du dich sogar, ob das Leben überhaupt noch einen Sinn hat.

Dies ist das Stadium, in dem du möglicherweise im Krankenhaus landest und die Ärzte bei dir Burnout diagnostizieren.

Ist es nicht einfach eine Depression?

Wenn dir dieser Zusammenbruch, das eigentliche Burnout, wie eine Depression vorkommt, liegst du nicht falsch. Freudenberger selbst wies auf die Ähnlichkeiten zwischen Depression und dem von ihm neu definierten Konzept des Burnouts hin. 

Manche gehen sogar davon aus, dass Burnout einfach eine berufsbedingte Form der Depression ist, ausgelöst durch langanhaltende Belastungen am Arbeitsplatz. 

Die Forschung versucht bis heute zu verstehen, wie Burnout mit verschiedenen Formen der schweren Depression zusammenhängt [11].

Wie kann man Burnout überhaupt erkennen?

Zur Diagnose von Burnout verwenden Fachleute einen kurzen Test mit mehreren Fragen, der in den 1980er Jahren von der kalifornischen Forscherin Christina Maslach entwickelt wurde – bekannt als Maslach Burnout Inventory (MBI) [12]. 

Der Test umfasst 22 Fragen, die emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und berufliche Leistungsfähigkeit (wie erfolgreich und kompetent man sich fühlt) bewerten.

Obwohl der Test häufig als Selbsttest verwendet wird, bedeuten hohe Punktzahlen nicht automatisch, dass man ein Burnout hat. Man sollte vorsichtig sein, denn auch eine aktuell belastende Phase bei der Arbeit kann zu hohen Werten führen. 

Ein Burnout entwickelt sich jedoch über einen viel längeren Zeitraum durch chronischen Stress. Bei kurzfristigem Stress lässt sich die Ursache meist klar benennen. Bei chronischem Stress hingegen ist es oft schwierig, einen bestimmten Auslöser zu erkennen [9].

Burnout und das Gehirn

Zeitlos: Das gestresste Gehirn

Zeiten ändern sich und mit ihnen die Bedingungen, die zu extremer Erschöpfung führen. Die Namen für diesen Zustand haben sich im Laufe der Zeit gewandelt – von Acedia über Neurasthenie bis hin zu Burnout. 

Doch eines ist gleich geblieben: die Art und Weise, wie unser Gehirn auf ständigen Druck und langanhaltenden Stress reagiert.

Burnout fühlt sich vielleicht so an, als ob eine Kerze solange brennt, bis das gesamte Wachs verbraucht ist und die Flamme erlischt. 

Im Gehirn hingegen ähnelt Burnout eher einem überlasteten Stromkreis, der überhitzt, wodurch die Leitungen schmelzen und es zu Schäden und allmählicher Funktionsstörung kommt.

Wenn das Gehirn unter starkem Stress steht, reagiert es wie eine elektrische Sicherung in einem Haus [13]. Wenn es ein Problem mit einem Gerät gibt, springt die Sicherung heraus und schaltet den Strom ab. Genauso schaltet das Gehirn bei übermäßigem Stress vorübergehend bestimmte Schaltkreise ab, um sich selbst zu schützen. 

Wenn der Stress nur vorübergehend ist und gut bewältigt wird, wird die Sicherung wieder aktiviert und alles kehrt zur Normalität zurück.

Bei chronischem Stress jedoch lässt sich diese Sicherung nicht einfach wieder einschalten. Stattdessen beginnen Verbindungen im Gehirn sich aufzulösen, ähnlich wie geschmolzene Leitungen in einem überhitzten Stromkreis [14].

Die Schaltkreise im Gehirn funktionieren nicht mehr richtig, was langfristige Probleme mit Denken, Gedächtnis, Motivation, Freude und Emotionen zur Folge hat. Selbst wenn der Stress vorbei ist, dauert es eine Weile, bis sich die beschädigten Schaltkreise im Gehirn wieder erholen. Das geschieht nicht über Nacht.

Am stärksten betroffen ist der vordere Teil des Gehirns, der präfrontale Cortex, das sich direkt hinter der Stirn befindet. Dort liegen viele der Fähigkeiten, die uns als Menschen besonders machen [15].

Dein Gehirn liebt Entspannung

Wenn du entspannt bist, hilft dir dein präfrontaler Cortex dabei, Probleme zu durchdenken, dich zu konzentrieren, ohne abgelenkt zu werden, dir Dinge kurzfristig zu merken, kreativ zu sein, für die Zukunft zu planen und Entscheidungen zu treffen. 

Es sorgt auch dafür, dass du motiviert bleibst deine Ziele zu erreichen, und Gefühle wie Wut und Angst kontrollierst. 

Außerdem hilft es dir, überlegt zu handeln, unangemessenes Verhalten bei der Arbeit oder zu Hause zu vermeiden und sozial sowie einfühlsam zu sein. 

Etwas Stress kann diese Fähigkeiten sogar noch verbessern.

Der größte Feind deines präfrontalen Cortex

Was passiert, wenn eine Situation ernster wird oder eine Aufgabe schwieriger als erwartet?

Das Gehirn betrachtet die Situation als mögliche Bedrohung, auf die schnell reagiert werden muss. Die erste Reaktion des Gehirns mag überraschend klingen: Es schaltet unseren hochentwickelten präfrontalen Cortex samt all seiner beeindruckenden Funktionen ab [16]. 

Warum sollte uns das vor Gefahr schützen?

Trotz seiner Fähigkeiten arbeitet der präfrontale Cortex langsam und kann Fehler machen. Unser Gehirn hat sich in einer Zeit entwickelt, in der gefährliche Tiere hinter jedem Gebüsch lauern konnten. In solchen Momenten blieb keine Zeit, um kreativ zu sein, zu planen oder gründlich nachzudenken. Wenn du dich auf deinen langsamen präfrontalen Cortex verlassen hättest, hättest du womöglich nicht überlebt. Das Tier wäre schneller gewesen.

Stattdessen wechselt dein Gehirn in einen schnelleren Überlebensmodus. 

Tief im Inneren des Gehirns gibt es Notfall-Schaltkreise, die dich automatisch und ohne Nachdenken handeln lassen, wenn Gefahr droht. 

Einer davon ist das Striatum. Es hilft dir, vom Denken und Planen auf automatische Handlungen umzuschalten, die du oft geübt hast und im Schlaf beherrschst [17].

Ein anderer Bereich tief im Gehirn ist die Amygdala. Sie steuert deine Emotionen, die dir helfen schnell zu reagieren. Wut bereitet dich auf Kampf vor, Angst signalisiert dir, dass du fliehen solltest, und manchmal frierst du ein, in der Hoffnung, dass dich das Tier nicht bemerkt hat und die Gefahr vorübergeht.

Die Amygdala aktiviert auch das Alarmsystem des Gehirns und sorgt dafür, dass du in Stresssituationen besonders wachsam bist. 

Sie hilft dir, dich an frühere stressige Erlebnisse zu erinnern und wie du damals damit umgegangen bist. Das unterstützt das Striatum dabei, die passendste automatische Reaktion auszuwählen [18].

Gleichzeitig bereitet sich dein Körper vor zu handeln. Dein Herzschlag wird schneller, die Verdauung wird verlangsamt, um Energie zu sparen, und deine Muskeln spannen sich an. Deshalb fühlst du dich in stressigen Momenten oft angespannt. 

Im Gegensatz zu dieser Kampf-oder-Flucht-Reaktion verlangsamt sich dein Herzschlag beim "Einfrieren", und auch deine Atmung wird eventuell ruhiger [19].

Wer hat hier das Sagen?

An diesem Punkt hat der präfrontaler Cortex  die Kontrolle an tiefere Hirnregionen abgegeben und verlässt sich auf gut eingeübte Strategien und emotionale Reaktionen. 

Doch die Übergabe ist nicht vollständig. Der präfrontale Cortex lässt eine Hintertür offen und arbeitet weiter im Hintergrund an einer Lösung.

Wenn es eine Lösung findet, sei es, dass es die Bedrohung allein bewältigen kann, Hilfe von anderen möglich ist oder die Situation neu bewertet wird (zum Beispiel erkennt, dass die Bedrohung nur eine harmlose Maus war), deaktiviert es den Überlebensmodus und übernimmt wieder die Kontrolle.

Das ist auch der Moment, in dem du dich wieder handlungsfähig fühlst und weißt, dass du die Situation bewältigen kannst. Der Stresspegel beginnt zu sinken und kehrt schließlich auf ein Niveau zurück, auf dem der präfrontale Cortex optimal funktioniert. 

Du kannst dich wieder auf andere Aufgaben konzentrieren, bei denen dir ausreichend Zeit zur Verfügung steht, um von den langsameren Fähigkeiten des präfrontalen Cortex zu profitieren ohne unter Druck schnell reagieren zu müssen.

Sicherungsschalter im Gehirn

Wenn dein Gehirn von einem entspannten Zustand, in dem der präfrontale Cortex mit überlegtem Denken dominiert, in den Überlebensmodus wechselt, in dem tiefere Hirnregionen übernehmen, verlässt es sich auf bestimmte chemische Botenstoffe, die sowohl im Gehirn selbst als auch außerhalb produziert werden [13]. 

Dopamin und Noradrenalin sind zwei stressbezogene Botenstoffe, die in kleinen Bereichen am unteren Ende des Gehirns gebildet werden. In niedrigen Dosen fördern sie den präfrontalen Cortex und helfen bei Konzentration und Denken. 

Doch wenn der Stress zunimmt, werden mehr dieser Stoffe ausgeschüttet. Wird der Stress zu stark und steigt die Konzentration dieser Stoffe zu hoch an, schalten sie den präfrontalen Cortex  rasch ab und aktivieren stattdessen tiefere Hirnregionen.

Das gestresste Gehirn löst zudem die Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol aus, die nicht direkt im Gehirn, sondern in den Nebennieren produziert werden. Diese Hormone verstärken die Wirkung von Dopamin und Noradrenalin. 

Cortisol hilft auch dabei, Erinnerungen an das stressige Ereignis im Hippocampus zu speichern, einem Teil des Gehirns, der in der Mitte liegt und für das Bilden von Langzeiterinnerungen zuständig ist [20].

Darüber hinaus gibt es bei Frauen einen besonderen Effekt. Das weibliche Hormon Östrogen verstärkt die Wirkung von Dopamin und Noradrenalin. Dadurch kann Stress bei Frauen schneller und intensiver empfunden werden als bei Männern.

Dein präfrontaler Cortex brennt durch

Wenn keine Lösung für dringende Probleme gefunden wird und sich immer mehr Schwierigkeiten ergeben, die das Gehirn nicht kontrollieren kann, ist der Weg für ein Burnout vorgezeichnet. 

Normalerweise signalisieren steigende Cortisolwerte während Stress dem Gehirn, die Stressreaktion abzuschalten, den Cortisolspiegel zu normalisieren und den präfrontalen Cortex zu aktivieren, um die Situation durch Nachdenken neu zu bewerten [22]. 

Wenn die Bedrohung jedoch nicht verschwindet, bleibt diese natürliche Absenkung der Stresshormone aus [23]. In der Folge stehen Körper und Gehirn unter dauerhaftem Stress. Entspannung fällt schwer, selbst wenn man es versucht. 

Glutamat, ein weiterer Botenstoff, der für die Kommunikation zwischen Nervenzellen wichtig ist, steigt ebenfalls an. Zu viel davon ist giftig und kann das Gehirn schädigen [18]. 

Zudem aktiviert Stress das Immunsystem des Gehirns, als Vorbereitung auf mögliche Verletzungen [18], was Entzündungen auslöst und die Funktion des  präfrontalen Cortex weiter einschränkt [23].

All diese chemischen Veränderungen durch chronischen Stress haben weitreichende Folgen. 

Im Hippocampus hemmt Stress das Wachstum neuer Nervenzellen und erschwert die Verstärkung von Verbindungen zwischen Nervenzellen, was Lernen und das Erinnern neuer Informationen beeinträchtigt [20].

Im präfrontalen Cortex beginnen kleine Verbindungen zwischen Nervenzellen, die für die herausragenden Fähigkeiten dieses Gehirnbereichs entscheidend sind zu „schmelzen“ und verschwinden allmählich [14].

Im Überlebenssystem tief im Gehirn passiert das Gegenteil [15]: Die Verbindungen zwischen Nervenzellen in der Amygdala werden stärker, insbesondere bei Frauen [24], was möglicherweise erklärt, warum Frauen häufiger an Burnout erkranken [25].

Die daraus resultierende starke Aktivierung der Amygdala sorgt dafür, dass du dich oft ängstlich fühlst und belastende, negative Erinnerungen häufiger zurückkommen. Du beginnst, dich nur noch auf das Negative an dir selbst und in deinen Beziehungen zu anderen zu konzentrieren [18]. 

Das Gehirn sieht Gefahr, selbst wenn keine da ist. Es ist lieber übervorsichtig und erkennt eine harmlose Situation fälschlich als Bedrohung, als eine echte zu übersehen.

Außerdem beeinträchtigt ein hoher Cortisolspiegel den Schlaf. Er verkürzt den erholsamen Tiefschlaf und fördert leichten Schlaf mit mehr Träumen. Dein Gehirn meint, du hast keine Zeit zum Schlafen, wenn eine Gefahr droht. Du wachst früh auf und hast Schwierigkeiten, wieder einzuschlafen [18], denn in Gefahrensituationen versucht das Gehirn, möglichst lange wach zu bleiben.

Während bei akutem Stress der Sicherungsschalter im Gehirn den  präfrontalen Cortex nur vorübergehend abschaltet und schnell wieder aktivieren kann, führen langanhaltende Stressphasen zu strukturellen Veränderungen im Gehirn. Dadurch wird der Zustand des Überlebensmodus immer mehr zur Norm.

Wenn der präfrontale Cortex seine Funktion bei akutem und chronischem Stress verliert, zeigen sich die typischen Symptome eines Burnout. 

Du hast Schwierigkeiten, klar zu denken, zu planen, wirst leicht abgelenkt, kannst dich schlecht konzentrieren, vergisst vieles und wirst weniger kreativ. Deine Gefühle geraten außer Kontrolle. Du reagierst emotionaler, ängstlicher oder neigst zu Wutausbrüchen.

Auf Wiedersehen Anstrengung

Chronischer Stress und eine verringerte Funktion des präfrontalen Cortex beeinträchtigen auch deine Motivation und deine Fähigkeit dich anzustrengen. 

Der präfrontale Cortex ist entscheidend dafür, den Antrieb zu erzeugen, Dinge zu erledigen. Zuviel Stress kann diesen Antrieb reduzieren und es schwieriger machen, motiviert zu bleiben. Je müder du bist, desto weniger Energie und Motivation hast du von Natur aus, dich anzustrengen [26].

Am Anfang schaffst du es vielleicht trotzdem noch, dich durch die Müdigkeit zu kämpfen, indem du motiviert bleibst. Du gibst weiterhin dein Bestes, wenn du dich auf eine Belohnung konzentrierst, etwa deinen Chef zu beeindrucken oder einen finanziellen Bonus zu erhalten. Du machst weiter, auch wenn dir erste Fehler unterlaufen.

Das Problem an dieser Strategie ist, dass chronischer Stress Teile des präfrontalen Cortex  schädigt, die für Motivation wichtig sind, zusammen mit einer tief im Gehirn liegenden Struktur, dem sogenannten Nucleus accumbens [27]. Dieser Teil ist entscheidend für die Entstehung von Antrieb und das Gefühl von Freude, wenn man eine angestrebte Belohnung erreicht. 

Je länger der Stress andauert, desto weniger Freude und Zufriedenheit empfindest du, selbst bei Aktivitäten, die früher Spaß gemacht haben. 

Wenn du ausgebrannt bist, kannst du Motivation nicht mehr nutzen, um deine Leistung aufrechtzuerhalten. Du bist zu erschöpft und dein geschwächtes Gehirn kann nicht genug Antrieb erzeugen, um die Müdigkeit auszugleichen.

Das Rätsel der Erschöpfung

Forscher versuchen noch immer zu verstehen, wo genau die mentale Erschöpfung im Gehirn entsteht. Was genau sagt dem Gehirn, wie viel mentale Energie noch übrig ist? 

Eine einfache Theorie besagt, dass dem Gehirn möglicherweise grundlegende Bausteine fehlen, um richtig zu funktionieren. 

Ein möglicher Kandidat für den „geistigen Treibstoff" ist Glukose, eine Zuckerart, die das Gehirn als Energiequelle für Nervenzellen nutzt. Der Theorie zufolge würden niedrige Glukosewerte zu Erschöpfung und Energiemangel führen. Doch es gibt nur begrenzte wissenschaftliche Belege dafür [28].

Eine neuere Idee stützt sich auf Studien, die zeigen, dass anstrengende geistige Aufgaben über mehrere Stunden hinweg den Glutamatspiegel erhöhen, ein Botenstoff, den Nervenzellen zur Kommunikation benötigen [29]. Glutamat wird auch bei Stress vermehrt ausgeschüttet [30]. 

Die Theorie besagt, dass ein Zuviel an Glutamat im Gehirn Müdigkeit signalisiert mit dem Ziel, dass du dich ausruhst, damit das überschüssige Glutamat abgebaut wird und du dich wieder frischer fühlst [28]. 

Chronischer Stress erhöht die Glutamatwerte im präfrontalen Cortex [18], weil das Stresssystem bei geistiger Arbeit stärker als gewöhnlich aktiviert wird, was wiederum zu mehr Glutamatausschüttung und stärkerer Aktivierung bestimmter Hirnareale führt [31]. Das könnte erklären, warum Menschen mit Burnout bei Aufgaben deutlich schneller ermüden.

Eine dritte Theorie geht davon aus, dass bei Erschöpfung einfach nicht mehr genug Botenstoffe im Gehirn vorhanden sind, um eine angemessene Stressreaktion auszulösen und den präfrontalen Cortex ausreichend zu aktivieren. Unter dauerhaftem Stress sinkt der Dopaminspiegel und bleibt chronisch niedrig [32]. Das reduziert die Aktivität des präfrontalen Cortex, die für eine normale Leistungsfähigkeit erforderlich ist, und könnte das anhaltende Gefühl tiefer Müdigkeit beim Burnout erklären [26]. 

Dopamin ist auch für die Funktion des Nucleus accumbens wichtig, der Motivation und Freude steuert. Wenn Dopamin unter chronischem Stress niedrig bleibt, sinken auch Motivation und das Empfinden von Freude [27].

Auch Stress kann müde werden

Während Burnout oft als anhaltende Stressreaktion mit hohen Cortisolwerten auftritt, kann es auch zu niedrigen Cortisolspiegeln kommen [33]. 

In diesem Fall wird das Stresssystem schwächer und reagiert nicht mehr so stark wie gewöhnlich. Das Stresssystem ist erschöpft. Wenn Stress zu lange anhält und zu intensiv ist, kann der Körper die Cortisolproduktion unter das Normalniveau senken [34].

Niedrige Cortisolwerte können extreme Müdigkeit verursachen, wie bei der Addison-Krankheit, bei der die Nebennieren zu wenig Cortisol produzieren [35], oder beim chronischen Erschöpfungssyndrom [36]. Niedrige Cortisolwerte wurden auch mit Long COVID in Verbindung gebracht [37]. 

Da Cortisol Dopamin dabei hilft, den präfrontalen Cortex zu aktivieren, kann ein Mangel zu unzureichender Hirnaktivierung und tiefer Erschöpfung führen.

Stress um jeden Preis vermeiden

Manche Menschen sind von Stress so überwältigt, dass sie eigenständig ihre Stressreaktion abschalten, um ruhig zu bleiben [38]. Ihr präfrontaler Cortex  wird dabei sehr aktiv und unterdrückt die Amygdala stärker als gewöhnlich. Gleichzeitig nimmt die Aktivität der Insula, ein Hirnbereich, der Körperempfindungen verarbeitet, ab [39]. 

Kurzfristig mag das hilfreich erscheinen, doch langfristig hat es seinen Preis, besonders wenn Stress dauerhaft vermieden wird. 

Die Unterdrückung von Stress erschwert es, die nötige Energie und Konzentration zur Problemlösung aufzubringen. 

Zudem wirst du von deinen Gefühlen getrennt, was dazu führen kann, dass du dich nicht mehr wie du selbst fühlst. Du fühlst dich innerlich leer und von dir selbst und anderen entfremdet, was zu Distanzierung von Angehörigen, Klienten, Kollegen oder der Arbeit führen kann. 

Diese emotionale Entfremdung, auch Depersonalisation genannt, ist ein zentrales Symptom von Burnout [7]. Auch deine Umgebung kann dir seltsam oder unwirklich vorkommen, ein Zustand, der Derealisation genannt wird. 

Außerdem verpasst du ohne Kontakt zu deinen Gefühlen wichtige Signale deines Körpers, etwa wenn du zu müde bist oder etwas essen solltest.  

Dein Körper trägt die Konsequenzen

Während dein präfrontaler Cortex unter ständigem Stress stark leidet, wird auch dein gesamter Körper durch die hohen Cortisolwerte in Mitleidenschaft gezogen, mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen.

Du kannst Muskelschmerzen, Kopfschmerzen oder chronische Verstopfung bekommen, was eher harmlos erscheint. 

Doch Bluthochdruck, Herzinfarkte, Schlaganfälle, Osteoporose oder Diabetes können zu ernsthaften gesundheitlichen Folgen führen [18].

Was kann man gegen Burnout tun?

Die Wende schaffen

Können sich die Veränderungen im Gehirn wieder zurückbilden? 

Forschende sagen: Ja, wenn chronischer Stress richtig bewältigt wird [15]. 

Aber das braucht Zeit. Eine Nacht mit gutem Schlaf oder ein Urlaub reichen dafür nicht aus. Es hat eine Weile gedauert, bis sich die Struktur des Gehirns verändert hat, und leider braucht es auch Zeit, diese Veränderungen rückgängig zu machen. 

Je schwerwiegender die Veränderungen, desto länger dauert die Erholung. Motivation und Energie können relativ schnell, innerhalb von Wochen oder Monaten, zurückkehren. Probleme mit Denken, Gedächtnis und Konzentration können jedoch deutlich länger anhalten, manchmal sogar Jahre [9].

Was kann man also tun? 

Um die chronische Stressreaktion im Gehirn zu bewältigen, ist es wichtig, den Teufelskreis aus Stress und Bewältigung zu durchbrechen.

Im Allgemeinen gilt: Je mehr Stress du erlebst, desto schwieriger wird es, neue Aufgaben zu bewältigen (der Überlebensmodus hilft nur bei Problemen, die du bereits kennst), und je weniger du bewältigst, desto mehr Stress baut sich auf.

Diesen Teufelskreis kannst du auf zwei Arten durchbrechen: durch Stressreduktion und durch Verbesserung deiner Bewältigungsstrategien, um auch bei auftretendem Stress handlungsfähig zu bleiben.

Wenn du dich im Burnout befindest, ist der erste Schritt, wenn möglich, eine drastische Reduktion von Stress zu Hause und am Arbeitsplatz. Das kann bedeuten, sich krankschreiben zu lassen oder um Unterstützung im Haushalt zu bitten. 

Bei schwerem Burnout wird nicht empfohlen, große Lebensveränderungen wie einen Jobwechsel oder einen Umzug vorzunehmen. Solche Entscheidungen bedeuten zusätzlichen Stress und können die Erholung behindern [9].

Selbstfürsorge

Neben dem Rückzug aus stressigen Tätigkeiten ist Selbstfürsorge der nächste wichtige Schritt. 

Das beginnt mit allgemeinen Lebensstiländerungen, die dafür bekannt sind, Stress zu reduzieren. 

Deine Selbstfürsorge könnte damit beginnen, dass du versuchst, dich gesünder zu ernähren. 

Unter Stress neigen viele dazu, zucker- und fettreiche Lebensmittel zu sich zu nehmen. Diese typisch westliche Ernährung kann jedoch den Stresspegel erhöhen und die Funktion vom präfrontalen Cortex und Hippocampus beeinträchtigen [40, 41], selbst wenn du gerade keine stressigen Aufgaben erledigst. Weniger Fett und Zucker zu essen, kann dir bei der Erholung helfen.

Eine weitere wirksame Maßnahme zur Unterstützung eines gestressten Gehirns ist Bewegung. 

Regelmäßige körperliche Aktivität setzt im Gehirn Botenstoffe frei, die die Verbindungen im präfrontalen Cortex  wiederherstellen und das Wachstum neuer Nervenzellen im Hippocampus fördern [42]. Das kann helfen, stressbedingte Veränderungen im Gehirn rückgängig zu machen und dient gleichzeitig der Vorbeugung. 

Bewegung im Freien ist besonders wirksam, da Natur, insbesondere Grünflächen, Stress reduziert und die Funktion des präfrontalen Cortex  verbessert [43].

Während eines Burnouts verspürst du vielleicht das Bedürfnis, dich zu isolieren und den Kontakt zu anderen zu meiden. Doch mit jemandem über das zu sprechen, was du durchmachst, kann sehr hilfreich für dein Gehirn sein.

Positive Gespräche mit einer vertrauenswürdigen Person – Partner, Freunde, Kollegen oder Vorgesetzte – setzen das Hormon Oxytocin im Gehirn frei [44]. Oxytocin wirkt direkt auf den präfrontalen Cortex und hilft, die Stressreaktion zu verringern. Es erleichtert auch die Verbindung zu anderen und die Suche nach Unterstützung.

Burnout geht oft mit Schlafstörungen einher, deshalb ist es wichtig, die Schlafhygiene zu verbessern. Dazu gehören auf Bildschirme vor dem Schlafengehen zu verzichten, einen regelmäßigen Schlafrhythmus beizubehalten und auf 6–8 Stunden Schlaf pro Nacht zu achten. Diese einfachen Maßnahmen können dir helfen, besser zu schlafen und deine Erholung zu unterstützen.

Eine weitere Möglichkeit, die Stressreaktion und den Cortisolspiegel zu senken, sind Meditation und Achtsamkeitstraining. Diese Techniken helfen, Cortisol zu reduzieren [45], und fördern die Wahrnehmung des eigenen Körpers. So kannst du Signale wie Anspannung, Müdigkeit oder Hunger besser erkennen und gezielt handeln, anstatt sie zu ignorieren.

Wenn du dich im Burnout befindest, fehlt dir vielleicht die Energie oder Kraft, diese Veränderungen allein umzusetzen. 

Es kann zum Beispiel sehr schwerfallen, mit dem Sport anzufangen, weil mentale Erschöpfung sich direkt auf deine körperliche Leistungsfähigkeit auswirkt [46]. Auch ungesunde Essgewohnheiten können süchtig machen [47]. 

Deshalb kann es hilfreich sein, einen Coach oder einen Therapeuten zur Seite zu haben, der dich in der Anfangsphase unterstützt, dir beim Planen hilft und kleine Schritte mit dir gemeinsam umsetzt, damit alles weniger überwältigend wirkt.

Maßnahmen am Arbeitsplatz

Das Problem einer reinen Selbstfürsorge-Strategie ist, dass sie nur begrenzt hilft, wenn die eigentliche Ursache für den hohen Stress im Arbeitsumfeld liegt. 

Für Menschen, die sich selbst überfordert und ihre Bedürfnisse lange ignoriert haben, kann Selbstfürsorge hilfreich sein. 

Doch in vielen Fällen liegt die Ursache von Burnout im Arbeitsumfeld. Wenn Beschäftigte das Gefühl haben, dass sie allein für ihre Erholung verantwortlich gemacht werden, kann das zu Schuldgefühlen und Frustration führen. 

Studien zeigen, dass Veränderungen am Arbeitsplatz eine viel stärkere und nachhaltigere Wirkung auf die Burnout-Prävention und -Rückfallquote haben als Maßnahmen der Selbstfürsorge allein [48]. Der beste Ansatz ist die Kombination beider Strategien.

Forschungsergebnisse geben Empfehlungen, wie Unternehmen und Führungskräfte Arbeitsplätze gestalten können, die Produktivität fördern, das Wohlbefinden der Mitarbeitenden stärken und Burnout vorbeugen [48].

Ein zentraler Ansatz ist, den Mitarbeitenden mehr Kontrolle über ihre Arbeit zu geben. Das reduziert das Gefühl des Kontrollverlusts, das im Kern überwältigenden Stresses liegt. 

Wenn Mitarbeitende mitbestimmen können, welche Aufgaben sie übernehmen, wie viele sie leisten müssen und ob die Aufgaben ihren Fähigkeiten entsprechen (herausfordernd, aber nicht überfordernd oder unterfordernd), fühlen sie sich besser. 

Abwechslungsreiche Aufgaben fördern die Motivation und verhindern Monotonie. 

Möglichkeiten zur persönlichen Weiterentwicklung und zum Erlernen neuer Fähigkeiten stärken ebenfalls das allgemeine Wohlbefinden.

Ein weiterer Schutzfaktor sind Führungskräfte, die gute Beziehungen zu Mitarbeitenden pflegen, einfühlsam sind und Verständnis zeigen. Am wichtigsten ist, dass Mitarbeitende spüren, dass ihre Arbeit geschätzt und anerkannt wird.

Wenn Mitarbeitende die Möglichkeit haben, mit Führungskräften oder Kollegen offen über ihre Situation zu sprechen (zumal oft auch andere Mitarbeiter unter derselben Arbeitssituation leiden), wird im Gehirn Oxytocin freigesetzt, das Vertrauen fördert, Zusammenarbeit erleichtert und Stress reduziert. 

Auch flexible Arbeitszeiten, zusätzliche Urlaubstage oder Homeoffice-Möglichkeiten können helfen, Stress zu mindern und das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben zu verbessern.

Mitarbeitende in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und ihre Rückmeldungen einzuholen, fördert ebenfalls das Wohlbefinden. Wenn sie ihre Meinungen zu Unternehmensstrategien äußern dürfen und diese Rückmeldungen berücksichtigt werden, stärkt das das Gefühl, gehört und wertgeschätzt zu werden.

All diese Maßnahmen helfen Mitarbeitenden, sich kompetent und sicher zu fühlen, Vertrauen aufzubauen und Stress abzubauen. Das fördert die optimale Funktionsweise des Gehirns und steigert letztlich auch die Produktivität des Unternehmens.

Wenn diese Faktoren im Arbeitsumfeld fehlen, kann ein Gespräch mit den Vorgesetzten, eventuell gemeinsam mit Kollegen, helfen, Veränderungen anzustoßen.

Führt ein solches Gespräch zu keinen Verbesserungen, ist es vielleicht ratsam, nach der Genesung über einen Jobwechsel nachzudenken. 

Diese Entscheidung kann jedoch schwierig sein, vor allem, wenn sie mit einem Umzug, einem geringeren Gehalt oder gesellschaftlichem Statusverlust verbunden ist, da solche Veränderungen wiederum neuen Stress erzeugen können.

Ändere deine Gedanken

Wenn der Stress aus deinen eigenen hohen Erwartungen, deinem Ehrgeiz oder deiner Einstellung zur Arbeit resultiert, ist es neben der Selbstfürsorge wichtig, darüber nachzudenken, wie deine Denkweise zu deinem Stress beiträgt. 

Versuche, realistischere Ziele zu setzen, Perfektionismus zu reduzieren und die Gewohnheit abzulegen, Konflikten aus dem Weg zu gehen. 

Nimm dir auch Zeit, um über das nachzudenken, was im Leben wirklich zählt, und überprüfe deine Werte. Arbeit ist nicht alles. 

Ein Therapeut kann dich bei diesem persönlichen Wachstumsprozess unterstützen, und kognitive Verhaltenstherapie kann wirksam sein, um dein Wohlbefinden, sowohl am Arbeitsplatz als auch allgemein, zu steigern [49].

Kein Ende in Sicht

In schweren Fällen kannst du das Gefühl haben, dass das Leben jeden Sinn verloren hat, alles zwecklos erscheint und kein Ausweg in Sicht ist. Vielleicht treten sogar suizidale Gedanken auf.

In diesem Fall ist es entscheidend, so schnell wie möglich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Gespräch mit dem Hausarzt, einem Psychologen oder einem Psychiater ist entscheidend. Sie können die notwendige Unterstützung bieten. 

Auch Medikamente wie Antidepressiva können helfen, dein Gehirn schneller zu regenerieren und dir wieder auf die Beine zu helfen [50].

Achtung Rückfall

Es ist sehr wichtig, Maßnahmen zur Stressreduzierung umzusetzen und dafür zu sorgen, dass sie langfristig tragfähig sind. 

Wenn diese Maßnahmen nicht konsequent angewendet werden, ist das Risiko eines Rückfalls in den Burnout sehr hoch. 

Es ist alarmierend, dass mehr als 50 % der Betroffenen innerhalb weniger Jahre nach der ersten Episode erneut unter Burnout leiden [9].

Dein Gehirn wird es dir danken

Burnout ist eine ernsthafte Erkrankung. 

Für manche mag es wie eine Auszeichnung erscheinen. Sie haben so viel gearbeitet, dass sie sich bis zur völligen Erschöpfung verausgabt haben.

Andere leben und arbeiten in einem Umfeld, das keinen Ausweg aus dem dauerhaften Druck bietet. 

Die Realität ist jedoch: Chronischer Stress führt zu Schäden im Gehirn, mit negativen Folgen für deine geistige, emotionale und soziale Leistungsfähigkeit. 

Das schadet dir selbst, deiner Familie und deinem Arbeitgeber. Du kannst deine privaten und beruflichen Rollen nicht mehr so ausfüllen, wie du es dir wünschst. 

Deshalb ist es für alle, ob Angestellte oder Führungskräfte, wichtig, sich bewusst zu machen, wie ständiger Stress am Arbeitsplatz dich und dein Gehirn beeinflusst, und Maßnahmen zu ergreifen, um die Situation zu verbessern. 

Dein Gehirn wird es dir danken.

Quellenverzeichnis

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